Global Day of Action in Kopenhagen

Kopenhagen, 12.Dezember 2009, gegen 10 Uhr morgens. Bereits über 3000 Menschen haben sich versammelt, um in einer “blauen Welle” bis zum dänischen Parlament zu rollen. Die Teilnehmer hatten sich blau gekleidet und bildeten zusammen eine gigantische blaue, menschliche Welle, die zum einen den durch den Klimawandel bedrohlich steigenden Meeresspiegel, und zum anderen die an Kraft und Dynamik gewinnende globale Protestwelle für Klimaschutz symbolisieren sollte.

Blaue Welle

La-Ola-Wellen verstärkten die öffentliche Wirkung. Ein Mann hatte sein Rettungsschlauboot mitgebracht und aufge-pumt, und ließ sich auf der Welle über den Köpfen der Menge tragen.

Schlauchboot

Erde

Eine baumgroße aufgepumpte Erde wurde mit der blauen Welle getragen und forgespült.  Die Aktion strotzte nur so vor Symbolik.

Die Protestkundgebung am Ende der “blauen Welle” vor dem dänischen Parlament war gekennzeichnet von Kritik an den bisherigen schwachen Verhandlungsergebnissen, der Unberücksichtigung der Interessen von Entwicklungs- und Schwellenländern bei den Verhandlungen, und der Warnung vor den weltweiten zu erwartenden dramatischen ökologischen, sozialen und ökonomischen Auswirkungen des Klimawandels.

Climate Justice

Der Platz vor dem Parlament war dann auch Start für den Höhepunkt des “Global Day of Action”, der Protestmarsch zum UN-Klima-Tagungszentrum “Bella Center”.

Das Publikum war international-bunt gemischt, so kamen beispielsweise Trommler-Vereine aus aller Welt, der internationale Verband der indigenen bäuerlichen Landbevölkerung(la via campesina) und sogar eine Delegation aus Südkorea nahm an der Demonstration teil.

Die Grünen fanden sich ebenfalls recht schnell zusammen und zeigten zusammen mit den anderen europäischen grünen Parteien deutlicher Flagge als die anderen Parteien. Auch wir von der Grünen Jugend waren stark vertreten.
Claudia Roth
Grüne
Laut Veranstalter bildeten etwa 100.000 DemonstratInnenen den Demonstrationszug zum 6 Kilometer entfernten, außerhalb der Stadt gelegenen “Bella Center”. Die Demonstration verlief sehr friedlich, Berichten zufolge sind lediglich die Scheiben einer Bank zu Bruch gegangen, und ein Polizist wurde leicht am Kopf verletzt.
Ich persönlich kam gegen 17 Uhr am Bella Center an und machte mich bereits nach etwa einer halben Stunde mit anderen jungen Grünen zu Fuß auf den Weg zurück in das Stadtzentrum, da es ohne Bewegung schnell frostig wurde.
Im Stadtteil Amager angekommen beobachteten wir aus der Ferne ein größeres Polizeiaufgebot, das die Straße komplett abgesperrt hatte, dachten uns zunächst aber nichts dabei, da die Polizei im ganzen Stadtgebiet präsent war. In einem Pizzaimbiss wärmten wir uns auf und stellten fest, dass das dänische Fernsehen gerade über den Stadtteil Amager berichtete: Einige hundert DemonstrantInnenen wurden dort eingekesselt und fesgehalten, und tatsächlich fuhren regelmäßig Einsatzwagen und Personentransporter der Polizei an unserem Pizza-Imbiss vorbei. Wie sich später herausstellte, wurden in Kopenhagen während der Großdemo knapp 1000 DemonstrantInnenen vorsorglich festgenommen, viele von ihnen mussten über Stunden hinweg auf kaltem Asphalt sitzend und mit Kabelbindern gefesselt auf ihren Abtransport in die extra eingerichteten Käfiggefängnisse warten. Bei einer Temperatur von 1 bis 2°C ein unmenschliches Verfahren gegenüber Menschen, die gegen keine Gesetze verstoßen haben. Hintergrund: Für den Gipfel sind besondere Gesetze beschlossen worden, die die Polizei dazu berechtigen, Personen präventiv bis zu 12 Stunden ohne Angabe von Gründen zu inhaftieren.

Den restlichen Samstagabend habe ich selbst mit drei jungen Grünen aus Bielefeld bzw. Mainz nach einem anstrengenden Tag in gemütlicher Runde verbracht, bevor unser Bus sich gegen Mitternacht wieder auf die 15-stündige Fahrt nach Stuttgart begab.
Es bleibt zu hoffen, dass die KonferenzteilnehmerInnen zur Vernunft finden und ein Klimaabkommen unterzeichnen, das seinen Namen verdient und auch für zukünftigen Generationen ein lebenswertes Leben sicherstellt.

bla-bla-bla

Von André

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