PM: Das Hotel Silber als Lern- und Gedenkort vollständig erhalten
Stuttgart, 1.Mai 2011
Pressemitteilung
Das Hotel Silber als Lern- und Gedenkort vollständig erhalten
Die GRÜNE JUGEND Stuttgart und Baden-Württemberg begrüßen die Einigung von Grünen und SPD ausdrücklich, das „Hotel Silber“ vollständig zu erhalten.
Auf der Landesmitgliederversammlung der GRÜNEN JUGEND Baden-Württemberg am 30.April in Stuttgart hat sich die Basis der Jugendorganisation der Grünen einstimmig für den Vollerhalt und die Umgestaltung des Hotel Silber in eine Lern-, Bildungs- und Gedenkstätte und für die Einrichtung eines Dokumentationszentrums zur NS-Zeit ausgesprochen.
„Das Gedenken an den NS-Terror sowie der dazugehörige Lern-, Forschungs- und Reflexionsprozess ist gesellschaftliche Aufgabe. Authentische Orte wie das Hotel Silber sind dazu unbedingt und möglichst vollständig zu erhalten. Durch die Entscheidung der grün-roten Koalitionspartner für den Erhalt des Hotel Silber ist der Weg frei für die Diskussion um eine angemessene Lern- und Gedenkstätte.“, so Amelie Montigel, Sprecherin der GRÜNEN JUGEND Stuttgart.
Oliver Hildenbrand, Sprecher der GRÜNEN JUGEND Baden-Württemberg: ergänzt: „Wir erwarten, dass die zukünftige grüne-rote Regierung bei ihrem Entschluss zum Vollerhalt bleibt; sie muss nun daran gehen, zusammen mit der Stadt Stuttgart und im Gespräch mit der Öffentlichkeit ein tragfähiges Konzept für ein überregionales Dokumentationszentrum zur NS-Zeit in Baden-Württemberg zu entwickeln. Diesen Prozess werden wir als GRÜNE JUGEND kritisch und aufmerksam begleiten.“
30.April 2011
Antrag „Das Hotel Silber als Lern- und Gedenkort vollständig erhalten“, Landesmitgliederversammlung 30.April 2011, Stuttgart
Hotel Silber als Lern- und Gedenkort vollständig erhalten
Hintergrund und Ausgangslage: Das Gebäude „Hotel Silber“ am Karlsplatz – zentral in Stuttgart gelegen – diente während der Nazi-Herrschaft als Zentrale der Geheimpolizei (Gestapo) in Württemberg. Landesweite rassische, politische und religiöse Verfolgung wurden von hier organisiert und gelenkt; In den Kellern des Gebäudes waren Zellen untergebracht, in denen gefoltert und gemordet wurde, und die heute noch zum Teil erhalten sind.
Das Gebäude an sich wurde in Folge der Luftangriffe der Alliierten beschädigt (ca. Hälfte zerstört), und in der Nachkriegszeit wieder hergestellt. Dorthin kehrten nach dem Krieg viele der Schreibtischtäter zurück, nun als „Demokraten“ der städtischen Polizei. Opfer des NS-Regimes mussten so hier die Kontinuität der Verfolgung erleben und wurden häufig mit ihren Peinigern der NS-Zeit konfrontiert.
Das Gebäude befindet sich heute in Landeseigentum. Dort arbeiten Beamte des demokratischen Baden-Württemberg. Das „Hotel Silber“ – ein authentischer Ort – ist gleichzeitig Ort der Unmenschlichkeit und der Demokratie zugleich.
Die städtebaulichen Planungen das Gebäude abzureißen und an seiner Stelle das vom Land Baden-Württemberg und Einkaufshaus Breuninger getragene „Da-Vinci-Projekt“ mit neuen Ministerien, Gewerbeflächen für Einzelhandel und Gastronomie sowie einem hochklassigen Hotel zu bauen, sind vor der Landtagswahl ins Stocken geraten. Nun, da sich die grün-roten Koalitionspartner anscheinend auf einen Vollerhalt des „Hotel Silber“ geeinigt haben, scheint der Abriss endgültig verhindert zu sein.
Forderung: Da der Erhalt kein Teil des Koalitionsvertrages ist, fordern wir die neue Landesregierung auf:
- Eine vertraglich gesicherter Ausstieg aus dem Bauprojekt „Da-Vinci“ und die Rückabwicklung oder Auflösung alle Verträge des Landes mit der Projektgesellschaft.
- Das „Hotel Silber“ soll wie vereinbart vollständig erhalten bleiben und zukünftig zu einer Lern- und Gedenkstätte zur NS-Zeit und Ort politischer und gesellschaftlicher Bildungsarbeit dienen. Dazu soll das Land in Zusammenarbeit mit der Stadt Stuttgart und im Dialog mit Wissenschaft und Gesellschaft ein Konzept entwickeln und auch umsetzen. Kosten zur Umsetzung des Konzepts und zum Betrieb sollen aus dem Stadt- und Landeshaushalt gedeckt werden.
Begründung: Für die GRÜNE JUGEND Baden-Württemberg ist das Gedenken an den NS-Terror sowie der dazugehörige Lern, Forschungs- und Reflexionsprozess, sowohl der NS-Zeit selbst als auch der Nachkriegszeit, eine gesellschaftliche Aufgabe und liegt damit auch im Aufgabenbereich des Landes. Authentische Orte sind dazu in möglichst vollständiger Form zu erhalten oder zu restaurieren und der Öffentlichkeit in aufbereiteter Form zugänglich zu machen.
Anhang: Auszug aus dem Koalitionsvertrag (S.10): Bildungsziele Demokratie und nachhaltige Entwicklung
Status: Einstimmig angenommen bei 2 Enthaltungen.
>>„Bildung für nachhaltige Entwicklung“ soll sich als roter Faden durch alle Bildungspläne ziehen, im Leitbild aller Bildungseinrichtungen und in der Ausbildung aller Pädagoginnen und Pädagogen verankert werden. Dabei geht es, entsprechend der UN-Dekade, nicht nur um Umweltbildung, sondern auch um die Vermittlung von Werten wie Gerechtigkeit, Fairness und Toleranz, um die Gleichberechtigung der Geschlechter sowie um Armutsbekämpfung. Ebenso wichtig ist der Ausbau der politischen Bildung, u. a. mit Projekten gegen Rechtsextremismus und Projekten zur Friedenserziehung. Wir werden die politische Bildung an den Schulen ausbauen und Demokratie durch mehr Rechte für die Schülerinnen und Schüler direkt erfahrbar machen.<<




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