Nachlese zum 1.Mai in Heilbronn
Sehr geehrter Herr Himmelsbach,
am Sonntag, den 1. Mai 2011, haben 4000 Menschen gegen den Neo-Naziaufmarsch in Heilbronn demonstriert. Das ist bemerkenswert. Verhindert werden konnte der Marsch jedoch nicht. Wir – die GRÜNE JUGEND Stuttgart und die GRÜNE JUGEND Heilbronn – sowie viele andere Menschen aller Altersklassen und mit den verschiedensten sozialen Hintergründen, haben versucht den Marsch der Nazis erst gar nicht möglich zu machen, weil wir keine menschenverachtenden, hasserfüllten Parolen auf unseren Straßen dulden wollen. Das verdient Respekt. Wir finden es inakzeptabel, dass im Vorfeld stattdessen die TeilnehmerInnen der Blockade kriminalisiert und unter Generalverdacht gestellt wurden. Wir wurden ohne die Möglichkeit Heilbronn überhaupt zu betreten rechtswidrig stundenlang ohne ausreichende Versorgung mit Trinkwasser und sanitären Anlagen auf dem Bahnhofsvorplatz festgehalten, während ein paar Meter weiter Rassisten von der Polizei an uns vorbei geleitet wurden, um ungestört Heilbronn mit Nazi-Propaganda zu verpesten.
Uns ist bewusst, dass auch Sie bis zum Schluss versucht haben, die Demonstration der Rechten zu verhindern, auch den Demozug, dem auch Sie beigewohnt haben, begrüßen wir. Aber was nützt das, wenn den Nazis trotzdem die Plattform gegeben wurde, sich zu präsentieren und Ihre abstoßenden Parolen ungehindert zu propagieren?
Faschismus ist unserer Ansicht nach keine tolerierbare Meinung, sondern ein Verbrechen, und mit dieser Haltung sollte Faschismus auch begegnet werden.
Wir bekennen uns selbstverständlich uneingeschränkt zum Grundrecht auf Versammlungen, das auch für demokratische Parteien am rechten Rand der Gesellschaft gelten muss. Wir sehen es aber auch als unser Grundrecht an, gegen jegliche rechten Tendenzen auf die Straße zu gehen, und halten es für völlig falsch, mit welch massiver, repressiver Gewalt gegen uns vorgegangen wurde. Das Beispiel der Stadt Dresden beweist: Es ist in einem Rechtsstaat möglich, gewaltvollen Auseinandersetzungen vorzubeugen und von Repression gegen friedliche Demonstranten abzusehen, auch wenn diese das Ziel einer Blockade mittels zivilem Ungehorsam verfolgen. Die Taktiken der Polizei in Heilbronn, mit denen unsere Blockade verhindert wurde, halten wir für maßlos übertrieben und bedenklich bevorzugend gegenüber den Faschisten.
Wir hoffen, dass es nie wieder einen Naziaufmarsch in Heilbronn geben wird. Wir fordern Sie weiterhin dazu auf, sich auch andernorts dafür einzusetzen, in Zukunft Naziaufmärsche zu verhindern und Gegendemonstrationen entgegenkommender zu agieren. Überdies fordern wir ihr Engagement für das rasche Fallenlassen von Anklagen gegen Demonstranten aus unseren Reihen.
Mit freundlichen Grüßen,
Jonas Közle – Vorstandsmitglied der GRÜNEN JUGEND Baden-Württemberg Max Bernauer – Pressesprecher der GRÜNEN JUGEND Stuttgart
i.A. GRÜNE JUGEND Stuttgart
i.A. GRÜNE JUGEND Heilbronn
Erstellt am Donnerstag 12. Mai 2011
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